Projekte

Instagram und andere Social-Media-Plattformen sind bekannt dafür, dass sie trotz all Ihrer Möglichkeiten zur internationalen Vernetzung und zum schnellen Informationsaustausch auch negative Auswirkungen auf die Gesellschaft und die psychische Gesundheit – vor allem von Jugendlichen – haben können. Gleichzeitig sind soziale Medien auf dem Schulhof sowie in der Freizeit von Schüler*innen allgegenwärtig.

Den negativen Effekten von Social Media begegnet das Projekt InstaClone mit einer Bildungsinitiative. Die von einem interdisziplinären Team programmierte Lernanwendung InstaClone imitiert Instagram in Sachen Aussehen und Funktionalität, ist dabei aber völlig kontrollierbar und somit ideal zum Lernen und Durchführen wissenschaftlicher Fallstudien geeignet. Schüler*innen, aber auch Lehrkräfte haben so die Möglichkeit, die Dynamiken von Daten und Algorithmen innerhalb von Social-Media-Anwendungen zu verstehen und zu diskutieren. Ein pädagogisches Rahmenprogramm sorgt dafür, dass sich InstaClone problemlos in den Lehrplan von weiterführenden Schulen integrieren lässt.

Webbasiert und frei zugänglich für alle Lernenden und Forschenden, ist InstaClone auch ohne IT-Kenntnisse nutzbar. Dafür sorgen vorab entwickelte Demos mit möglichen Szenarios. Lehrkräfte können die eingebauten Dashboards und Analyse-Tools so direkt nutzen, um gemeinsam mit ihrer Klasse hinter die Kulissen von erfolgreichen Posts, großer Reichweite und vielen Likes zu blicken.

Ziel des Projekts ist es, Jugendliche von bloßen Nutzer*innen zu Gestalter*innen einer digitalen Zukunft zu machen. Mithilfe von InstaClone sollen sie in der Lage sein, Inhalte besser einzuordnen und zu nutzen. Außerdem sollen sie dafür sensibilisiert werden, was sie teilen und wie sie auf Plattformen kommunizieren. Und schließlich sollen sie ein Gefühl dafür bekommen, in welchem Maße die Nutzung von Social Media ihnen guttut. Eine Mitschrift der im Hintergrund von InstaClone laufenden Algorithmen und Prozesse soll schließlich auch als Briefing für Entscheidungstragende in der Politik oder als Informationsmaterial für Lehrkräfte dienen.

Das Projekt ist findet im Rahmen des TUM Think Tank an der HfP statt.
Weitere Informationen auf www.instaclone.de

Nachhaltigkeit ist ein entscheidendes Thema unserer Zeit. Doch wie lässt sie sich in den verschiedenen Bereichen wie Wirtschaft, Umweltschutz und Sozialem umsetzen? Um die Basis für eine nachhaltig denkende und handelnde Gesellschaft zu schaffen, braucht es Teilhabe und Kompetenzerwerb – bereits bei Jugendlichen.

Der Schulversuch InnoLab-N, ein Teilprojekt der Wirkstatt Nachhaltigkeit, erprobt dazu innovative Lernsettings in den Schulen. Sie sollen Schüler*innen an Mittel-, Wirtschafts- und Realschulen sowie Gymnasien ermöglichen, ihren Lernprozess und ihre Umgebung aktiv mitzugestalten und Transformationskompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit zu erwerben. Dazu setzen die beteiligten Schulen sich selbst individuelle Ziele auf Grundlage des OECD-Lernkompasses 2030.

Ziel von InnoLab-N ist es, die Schüler*innen mit Maßnahmen innerhalb des Regelunterrichts an problem- und projektorientiertes Arbeiten heranzuführen und sie gleichermaßen in die Gestaltung innovativer Lern- und Arbeitsprozesse mit einzubeziehen. Sie sollen neue Lernorte und -umgebungen innerhalb und außerhalb von Schule erproben und dabei auch von neuen Formaten der Lernbegleitung und Leistungsfeststellung wie etwa E-Portfolio-Arbeit und agilen Methoden profitieren.

Um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu ermitteln, haben wir ein spezifisches Evaluationskonzept erarbeitet, mit dem sich vor allem der subjektive Lernerfolg der Schüler*innen messen lässt. So möchten wir herausfinden, welche Ansätze sich auch in Zukunft am besten an Schulen umsetzen lassen.

InnoLab-N bettet sich gemeinsam mit den Teilprojekten „Campus-N“ und „Netzwerk-N in das Modellprojekt Wirkstatt Nachhaltigkeit ein und läuft in den Schuljahren von 2021 bis 2025.

Mehr Informationen auf www.wirkstatt-nachhaltigkeit.de.

 

Lehrer-Schüler-Interaktionen sind ein Schlüssel für die Entwicklung der Schüler*innen. Das Projekt widmet sich der Frage, welche Faktoren Lehrer-Schüler-Interaktionen begünstigen. Dabei liegt das Augenmerk auf Schülervoraussetzungen wie dem Migrationshintergrund, aber auch auf der Schülereinschätzung verschiedener Unterrichtsmerkmale. Grundlage der Untersuchung sind Daten aus Videografien des Mathematik- und Deutschunterrichts.

Die Kompetenz von Lehrkräften hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielen einerseits deren kognitive Merkmale eine Rolle, andererseits tragen sogenannte motivational-affektive Merkmale wie Interesse, Motivation, Freude und Selbstkonzept zur Kompetenz von Lehrkräften bei.

In diesen Sekundäranalysen stehen das Zusammenspiel von Kompetenzaspekten im Mittelpunkt und die Frage, inwieweit die genannten Merkmale sich positiv im Klassenzimmer auswirken können wie etwa durch gute Unterrichtsqualität und Wohlbefinden. Dabei betrachten wir Lehrkräfte im Verlauf ihrer Ausbildung bis hin zum Berufseinstieg. Außerdem untersuchen wir, ob soziale Unterstützung durch Peers und Kolleg*innen zur Kompetenzentwicklung von angehenden Lehrkräften beitragen kann.

Ziel ist es, durch die Betrachtung der verschiedenen Phasen der Lehrerbildung – universitäre Lehrerbildung, Vorbereitungsdienst, Berufseinstieg und darüber hinaus – Erkenntnisse zu gewinnen, die maßgeblich zur Verbesserung der Ausbildung von Lehrkräften beitragen können.

Lernvoraussetzungen wie Motivation, Interesse oder kognitive Fähigkeiten Ihrer Schüler*innen gut einschätzen können, erlaubt Lehrkräften, auch ihren Unterricht besser an die individuellen Voraussetzungen der Lernenden anzupassen. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich die Interaktion von Lehrkräften im Klassenzimmer hauptsächlich auf Schüler*innen konzentriert, die sie als leistungsstark einschätzen. Schüler*innen, die sich unter- oder überschätzen, erkennen sie deshalb oft nicht.

Das Projekt „Interaktion II“ legt sein Augenmerk daher auf die Diagnosekompetenz von Lehramtsstudierenden und erfahrenen Lehrkräften, das heißt ihre Fähigkeit, Schüler*innen gut einzuschätzen. Wie gut und woran machen sie starke, schwache, uninteressierte, unter- und überschätzende Schüler*innen aus? Und wie verteilen sie ihre Aufmerksamkeit im Klassenzimmer? Im Zuge einer Labor- und einer Feldstudie kommt sogenanntes Eye-Tracking zum Einsatz, das es ermöglicht, Blickbewegungen der Lehrkräfte zu mitzuverfolgen.

Ziel ist es, verschiedene Schülergruppen zu untersuchen und typische Muster in der Aufmerksamkeitsverteilung von Lehrkräften auszumachen. Weisen die Interaktionen von Lehrkräften systematische Unterschiede auf, können die Erkenntnisse in die Ausbildung von Lehrkräften einfließen, sodass diese ihr eigenes Diagnoseverhalten reflektieren und sich vorab für gewisse Verhaltensmuster sensibilisieren.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Eine positive Einstellung gegenüber Schule, Fach und Lernen bei den Schüler*innen zu wecken, ist ebenso Ziel von schulischer Bildung wie ihnen Wissen und kognitive Fertigkeiten zu vermitteln. Diese sogenannten mehrdimensionalen Bildungsziele zu berücksichtigen stellt im Schulalltag jedoch eine Herausforderung dar. Die Umstellung auf kompetenzorientierte Lehrpläne kann hier Abhilfe schaffen, da sie solche mehrdimensionalen Bildungsziele stärker in den Mittelpunkt stellen.

Das Projekt Ceco beschäftigt sich mit den Fragen: Inwieweit spielen mehrdimensionale Bildungsziele eine Rolle für Lehrkräfte beim Planen des Unterrichts? Und welche Auswirkung haben sie auf eine kompetenzorientierte Unterrichtsgestaltung in Mathematik und anderen naturwissenschaftlichen Fächern? Gestützt auf Daten aus der PISA-Erhebung 2022 stellen wir dazu das von der Lehrkraft beabsichtigte Unterrichtsangebot dem gegenüber, das die Schüler*innen wahrnehmen.

Durch Analyse von Unterrichtsmerkmalen, Unterrichtserleben und Unterrichtserfolg zeigt Ceco somit Möglichkeiten auf, wie Lehrkräfte mehrdimensionale Bildungsziele am erfolgreichsten im Unterricht vermitteln können.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Diagnosekompetenz von Lehrkräften, das heißt die Fähigkeit, Lernvoraussetzungen wie Motivation, Interesse oder kognitive Fähigkeiten ihrer Schüler*innen gut einzuschätzen, spielt eine wichtige Rolle beim erfolgreichen Gestalten von Unterricht. Denn sie erlaubt es, auf Schüler*innen innerhalb einer Klasse gezielt und individuell einzugehen. Um die Diagnosekompetenz von Lehrkräften zu schulen, können simulationsbasierte Lernumgebungen, also vereinfachte, digital simulierte Welten zum Einsatz kommen, die die angehenden Lehrkräfte bereits im Zuge ihrer Ausbildung an der Hochschule bewusst mit bestimmten Situationen im Unterricht konfrontieren.  

Hier setzt die interdisziplinäre Forschungsgruppe COSIMA an. Sie analysiert in verschiedenen Teilprojekten, wie solche simulationsbasierten Lernumgebungen am besten gestaltet sind und zum Einsatz kommen, um die Diagnosekompetenz von angehenden Lehrkräften zu fördern.

Im Teilprojekt M von COSIMA nutzen wir die Methode der Metaanalyse, die es uns nicht nur ermöglicht, einen Überblick über bisherige Forschung zum Thema zu gewinnen, sondern auch, die Ergebnisse aller Teilprojekte von COSIMA in ihrer Gesamtheit zu betrachten und einzuordnen. In der zweiten Förderphase des Projekts liegt das Augenmerk dabei auf den Auswirkungen von sogenanntem Scaffolding, sprich dem Unterstützen des Lernprozesses durch Anleitung oder Hilfestellung.

Insgesamt arbeitet das interdisziplinäre Team von COSIMA darauf hin, Maßgaben für simulationsbasierte Lernumgebungen zu entwickeln, von denen angehende Lehrkräfte im Hinblick auf ihre Diagnosekompetenz profitieren.

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Das Clearing House Unterricht versteht sich als Schnittstelle zwischen Bildungsforschung und Bildungspraxis und richtet sich an Lehrerbildner in allen Phasen der Lehrerausbildung.

Unser Ziel ist es, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu effektivem MINT-Unterricht zusammenzufassen und für die Lehrerbildung zielgruppengerecht aufzubereiten.

Damit leistet das Clearing House Unterricht einen wichtigen Beitrag, um die wissenschaftliche Grundlage für die Lehrerbildung und das evidenzbasierte Handeln von Lehrkräften zu verbessern und kontinuierlich auszubauen.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

Abgeschlossene Projekte

Zeigen sich an Schulen Unterschiede bei der Qualität des Unterrichts kann das seitens Eltern und Schüler*innen starke Auswirkungen auf Schulauswahlprozesse haben. Aber sind solche Unterschiede systematisch? Und welche Rolle spielen dabei Merkmale wie Schulklima, soziale Zusammensetzung der Lehrerschaft oder die Zusammenarbeit der Lehrkräfte untereinander?

Im Projekt haben wir erforscht, welchen Einfluss diese schulischen Merkmale tatsächlich auf Unterricht und Motivation von Lehrkräften haben. Dafür haben wir den wechselseitigen Austausch zwischen der Lehrkraft als Person und ihrem Arbeitsumfeld ins Blickfeld genommen. Untersucht haben wir diese Person-Umwelt-Interaktionen anhand einer Re-Analyse von PISA-2003- und TALIS-2018-Daten.

Wir kamen zu dem Ergebnis, dass Unterrichtsqualität tatsächlich von systematischen Faktoren abhängt. Demnach können Schulen die Unterrichtsqualität positiv beeinflussen, indem sie auf schulische Merkmale wie Schulklima, die soziale Zusammensetzung der Lehrerschaft oder die Zusammenarbeit der Lehrkräfte einwirken. Für die Unterrichtsqualität war dabei die Wahrnehmung von Lehrkräften mehr von Belang als die der Schulleitungen. Unsere Erkenntnisse eröffnen Schulleitungen und Politik die Möglichkeit, über die Gestaltung des Arbeitsumfelds von Lehrkräften auch die Unterrichtsqualität an Schulen systematisch zu verbessern.

Förderung erhielt das Projekt im Rahmen der DFG-Nachwuchsakademie „Sekundäranalysen multidisziplinär nutzbarer Datensätze der Bildungsforschung“.

Publikationen aus dem Projekt

Holzberger, D. & Schiepe-Tiska, A. (2021). Is the school context associated with instructional quality? The effects of school composition, principals, teacher collaboration, and school climate. Manuscript accepted for publication in School Effectiveness and School Improvement. doi: 10.1080/09243453.2021.1913190

Holzberger, D., & Prestele, E. (2021). Teacher self-efficacy and self-reported cognitive activation and classroom management: A multilevel perspective on the role of school characteristics. Manuscript accepted for publication in Learning and Instruction, 75. *both authors have contributed equally to the manuscript. doi: 10.1016/j.learninstruc.2021.101513

Im Lehramtsstudium bereiten sich angehende Lehrkräfte nicht nur fachlich auf ihren Beruf vor, sondern erlangen im bildungswissenschaftlichen Teil ihrer Ausbildung auch fachunabhängige Kompetenzen. Der Nutzen dieses bildungswissenschaftlichen Wissens bildet immer wieder den Ausgangspunkt von Diskussionen.

Da es bisher an systematischen Studien fehlte, war das Herzstück des Verbundprojekts BilWiss-UV die Entwicklung eines standardisierten Tests, um das bildungswissenschaftliche Wissen angehender Lehrkräfte überhaupt zu erfassen und zu systematisieren. Im Teilprojekt München konnten wir den Test mit Blick auf den Bereich Unterricht optimieren.

Die Auswertung der Daten zeigte, dass sowohl Studierende als auch Lehrkräfte im Beruf die Vermittlung von bildungswissenschaftlichem Wissen im Konsens für relevant halten. Die Lehrangebote an den Universitäten unterscheiden sich dabei jedoch sehr und sind selten verbindlich. Wir konnten aber festmachen, dass Studierende am Ende Ihrer Ausbildung alle einen ähnlichen Wissensstand haben, über den fachfremde Studierende, Studienbeginnende oder Quereinsteigende nicht verfügen. Einen Nutzen aus bildungswissenschaftlichem Wissen ziehen angehende Lehrkräfte nach unseren Erkenntnissen zum Beispiel bei der Bewältigung von Stress und emotionaler Erschöpfung im Vorbereitungsdienst.

Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen dazu beitragen, Perspektiven für die Optimierung von Lehramtsstudiengängen zu eröffnen, das sowohl Lehramtsstudierenden als auch Ausbildenden oft zu praxisfern erscheint.

Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie hier