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Leistungsstarke Schüler*innen fördern durch Differenzierungsmaßnahmen

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Spezialklassen als Talentschmieden oder aufwändige Zusatzangebote? – Nicht die Realität für die meisten leistungsstarken Schüler*innen. Denn sie sind mehrheitlich mit Schüler*innen unterschiedlicher Leistungsniveaus in einer Klasse. Mit Differenzierungsmaßnahmen können Lehrkräfte leistungsstarke Schüler*innen dennoch fördern, sie nutzen sie aber noch zu wenig. Das zeigt unsere jüngst erschienene Studie.

Cover Themenheft Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler
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Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung, in Klassen mit unterschiedlichsten Potenzialen den individuellen Fähigkeiten ihrer Schüler*innen gerecht zu werden. Differenzierungsmaßnahmen können hier ein Mittel sein, um auch leistungsstarke Schüler*innen im Regelunterricht nicht aus dem Blick zu verlieren. In ihrer jüngst im Journal of Advanced Academics erschienenen Forschungssynthese haben Lisa Ziernwald, Doris Holzberger und Delia Hillmayr 49 Einzelstudien ausgewertet, um herauszufinden, welchen Einfluss Differenzierungsmaßnahmen auf leistungsstarke Schüler*innen haben, wie Lehrkräfte sie bereits im Unterricht nutzen und wie sie sich am besten einsetzen lassen.

Differenzierungsmaßnahmen: Nützlich, aber wenig genutzt

Differenzierungsmaßnahmen haben den großen Vorteil, dass sie einerseits auf die Gemeinsamkeiten innerhalb einer Klasse setzen, andererseits aber auch die unterschiedlichen Fähigkeiten berücksichtigen und so allen Schüler*innen möglichst effektives Lernen ermöglichen.

Auch leistungsstarke Schüler*innen lassen sich so gezielt fördern, sowohl was den Schulerfolg als auch was Merkmale wie etwa die Motivation oder Interesse betrifft. Lehrkräfte und Schüler*innen sehen diesen Nutzen: So schätzen sie Differenzierungsmaßnahmen als gewinnbringend ein. Doch im Mittel nutzen nur wenige Lehrkräfte Differenzierungsmaßnahmen zur Förderung leistungsstarker Schüler*innen und wenn dann meist nur sporadisch, so das Ergebnis unserer Studie. Dabei zahlt sich gerade der regelmäßige Einsatz aus. „In Differenzierungsmaßnahmen steckt viel Potenzial, das Lehrkräfte noch mehr ausschöpfen können, um leistungsstarke Schüler*innen zu fördern. – Mit dem positiven Nebeneffekt: Es profitiert die ganze Klasse“, so Lisa Ziernwald, die die Studie federführend begleitet hat.

Schulen können Lehrkräfte unterstützen

Unsere Studie zeigt: Lehrkräfte stoßen beim Einsatz von Differenzierungsmaßnahmen auf vielerlei Barrieren. So können Zeit- und Ressourcenmangel sowie fehlendes Wissen seitens der Lehrkräfte eine Rolle spielen. Auch organisatorische Hürden bezüglich Administration und Flexibilität kommen erschwerend hinzu. Außerdem liegt der Fokus im Unterricht meist standardmäßig auf den leistungsschwächeren Schüler*innen.

Schulen können diesen Hindernissen entgegenwirken und so den Weg freimachen. Als besonders förderlich erweisen sich hier Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte. Dazu zählen Workshops oder Mentoring-Programme. Zudem können Schulen Lehrkräfte bei der Zusammenarbeit untereinander unterstützen. Wenn Schulen zusätzlich Zeit und Ressourcen bereitstellen, legen sie den Grundstein, damit die Förderung leistungsstarker Schüler*innen mithilfe von Differenzierungsmaßnahmen auch im Regelunterricht gelingen kann.