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Lehrkraft sein oder nicht sein – Lehrkräftemangel vorbeugen mit guten Studienbedingungen

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Ein großes Problem – mit schlechten Aussichten: Der Lehrkräftemangel an Schulen wird sich Prognosen zufolge die nächsten Jahre sogar verschärfen. Und Ursachen finden sich bereits in den Studienbedingungen. In unserer jüngst erschienenen Studie haben wir das Wohlbefinden von Lehramtsstudierenden untersucht, warum sie hinschmeißen und wo Universitäten ansetzen können, um Studienabbrüchen entgegenzuwirken.

Frau, Brille, Laptop, Stift
Bild: Unsplash/JESHOOTS.COM

Emotionale Unterstützung gegen emotionale Erschöpfung?

Viel zu tun und wenig Zeit – Lehramtsstudierende stehen bis zum Ende ihrer Ausbildung vor vielen Herausforderungen. Gerade eine hohe Arbeitslast und Zeitdruck können langfristig zu emotionaler Erschöpfung führen: ein Indikator für mangelndes Wohlbefinden. Positiv wirkt sich dagegen die emotionale Unterstützung durch Mitstudierende auf das Wohlbefinden aus – das zeigen bisherige Studien.

Doch wie entwickeln sich beide Faktoren langfristig und wie hängen sie zusammen? Um das herauszufinden, haben Anna Hartl und Doris Holzberger gemeinsam mit einer Gruppe von Forscherinnen über 900 Lehramtsstudierende an vier deutschen Universitäten über drei Semester durch ihr Studium begleitet und sie zu emotionaler Unterstützung und emotionaler Erschöpfung befragt.

Während die Lehramtsstudierenden angaben, dass sie durchgehend gute emotionale Unterstützung durch ihre Kommiliton*innen erfahren, zeigt sich auch: Die Lehrkräfte in Spe erleben im Studium Phasen emotionaler Erschöpfung – und das unabhängig von der gleichbleibend gut empfundenen Unterstützung durch Mitstudierende. Denn auch diese scheint einem Tief im Studium nicht langfristig entgegenwirken zu können. Lehramtsstudierende brauchen also vor allem eines: Durchhaltevermögen.

Studienabbruch – Was tun, damit Studierende am Ball bleiben?

Ist das Wohlbefinden von Studierenden niedrig, kann das in letzter Konsequenz zum Studienabbruch führen. Gerade angesichts des Lehrermangels ein zu verhindernder Schritt. Hier können die Universitäten ansetzen, indem sie konkret Probleme der Studierenden adressieren und ihr Wohlbefinden fördern.

Unsere Befragungen zeigen: Die entscheidenden Gründe für einen Studienabbruch sind Leistungsprobleme, mangelnde Motivation, und die Studienorganisation selbst. Während Leistungsprobleme und mangelnde Motivation der Lehramtsstudierenden zwar nur bedingt von den Universitäten zu beeinflussen sind – sie können beispielsweise mehr Tutorien anbieten oder Motivationsschreiben zur Bedingung für einen Studienantritt machen –, ergeben sich hinsichtlich der Studienorganisation durchaus weitreichende Handlungsmöglichkeiten.

So können die Universitäten die Studienorganisation gezielt auf die Bedürfnisse der zukünftigen Lehrkräfte anpassen: Sie können Beratungsangebote zugänglicher machen oder Mentoring-Programme fördern. Auch einzelne Kurse können so ausgerichtet sein, dass sie das Wohlbefinden der Studierenden steigern; zum Beispiel, indem sie die Zusammenarbeit zwischen Studierenden stärken, individuelles Feedback geben oder Strategien zum Meistern von Herausforderungen vermitteln.

Den Kampf gegen den Lehrkräftemangel können die Universitäten sicherlich nicht alleine führen, doch zeigen unsere Forschungsergebnisse, wo auch in der Lehrkräfteausbildung Verbesserungspotential liegt. Denn ein gutes Wohlbefinden im Studium kann schließlich den Ausschlag geben, dass junge Menschen den Lehrerberuf überhaupt erst ergreifen.

Zum wissenschaftlichen Artikel „Promoting student teachers’ well-being: A multi-study approach investigating the longitudinal relationship between emotional exhaustion, emotional support, and the intentions of dropping out of university“.